OHNE TITEL (BOHRUNG)
SANS TITRE (FORAGE)
NO TITLE (BORING)
exhibition views | dreimalcircafünfundvierzig | with Claudia Olendrowicz | Frappant, Hamburg, 2012
photos: Bruno Di Lecce

Das Gebäude ist nach innen gekehrt. Es ist Sommer, die Fenster sind offen – aber die Kälte bleibt. Das Draußen steht still, selten lassen Schatten auf dem Boden das Außen erahnen. Nur das Geschrei der Kinder, das Krähen des Kramermannes und das Klingeln des Eisverkäufers kommen an. Drei mal circa fünfundvierzig Quadratmeter, die Ecke des einen Raumes ist abgeschnitten. Dadurch ist er kleiner als die beiden anderen. Jeder Raum hat zwei Fenster. Es sind Fensterpaare, Doppelfenster mit Rundbögen. Die Zimmer haben jeweils zwei Türen, die sie untereinander verbinden. Der Boden ist mit unterschiedlich grauem Linoleum belegt. Darauf sind verschiedenste Flecken und Spuren. Risse, Farbreste, Schuhsohlenabriebe, Streifen, Schatten. Die Wände sind sehr weiß. Die Fuß- oder Scheuerleisten variieren oder fehlen, womöglich an den Stellen, an welchen entweder eine Tür hinzugefügt oder zugemauert wurde. Es sieht so aus, als seien die Türschlitze übrig geblieben. Der mittlere Raum hat einen schmalen [unerklärlichen] Mauervorsprung. Als Beleuchtung dienen siebenundzwanzig Neonröhren. An der Decke befinden sich weiße Streben, von denen die daneben hängenden Lampen lange Schatten auf die Zimmerdecke werfen. Die Schatten formen vor allem im ersten Raum ein dunkleres Dach. Es gibt einige wenige Steckdosen, meist Doppelsteckdosen neben den Doppelfenstern. Die Lichtschalter befinden sich neben den Durchgangstüren. Bleibt das Licht aus, ist es dunkel. Das Gebäude ist aus Backsteinen gebaut, von denen man in den drei Räumen aber nichts sieht.

Das Bild an der Wand, mittig auf ein Meter sechzig, mindestens in einem Winkel von 30º vom Fenster entfernt, ist eine Standardregel zur Hängung von Kunstwerken. Diese Maße, oft Ausgangspunkt beim Ausstellungsaufbau, bilden auch hier den Anfang und ziehen sich durch die Räume, ihre unterschiedlichen Oberflächen, Vorsprünge und Hintergründe. Die Bohrungen in den Wänden inspizieren das Innere der Mauern der ehemaligen Viktoria Kaserne, fühlen hinter zahlreiche Farbschichten, zwischen und rund um die Fugen.
In beiden Räumen zum Vergleich gedoppelt, offenbart das Innere Unterschiede. Der Staub erzählt rote, graue und sandfarbene Geschichten die sich – wie aus einer anderen Zeit gerieselt – vermischen, auf die Leisten legen und verwehen.

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on the floor | Claudia Olendrowicz, Das Material wird in der Falte sichtbar, 2012
Bohrung, Staub
forage, poussière
boring, dust